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Teamwork Makes The Dream Work

DAB+ als Paradebeispiel für Zusammenarbeit

Bei Ricola ist’s einfach – das Kräuterbonschi haben die Schweizer erfunden. Im Fall von DAB+, dem digitalen Radiostandard und Nachfolger des analogen Radios über die Uralt-Technologie UKW, ist die Antwort auf die Frage, wer hat’s erfunden, nicht ganz so einfach. Hinter dem digitalen Antennenradio steckt kein genialer Tüftler in der Garage, sondern ein ziemlich großes Gemeinschaftsprojekt. Forschung, europäische Zusammenarbeit, Rundfunkanstalten und Politik – alle ziehen (nicht immer perfekt synchron, aber meistens in dieselbe Richtung) am selben Strang. Hier kommt ein Blick hinter die Kulissen und auf die Entstehungsgeschichte des Radios für heute.

1. Forschung: Die technologische Grundlage

Am Anfang jeder technischen Innovation steht die Forschung – und im Fall von DAB+ vor allem Einrichtungen wie das Fraunhofer-Institut für Integrierte Schaltungen (IIS) und das Institut für Rundfunktechnik (IRT).
Das Fraunhofer IIS entwickelte unter anderem entscheidende Audiokompressionsverfahren, die für den digitalen Rundfunk unerlässlich sind. Gerade moderne Codecs wie AAC ermöglichen es, Radiosignale effizient zu übertragen und dennoch eine hohe Klangqualität zu gewährleisten. Parallel dazu wurde DAB bereits seit den 1980er Jahren unter Beteiligung des IRT entwickelt und getestet. Die dortige Ingenieursarbeit trug wesentlich dazu bei, die theoretischen Konzepte in praxistaugliche Systeme zu überführen.

An dieser Stelle für die Entstehung von DAB+ war also die Entwicklung von Übertragungsstandards, die Verbesserung von Audioqualität und Effizienz sowie fortgesetzte technologische Innovationen und Weiterentwicklungen als Basis des Systems. Dazu gehört natürlich auch der Automatic Safety Alert (ASA), das System für Sicherheitsmeldungen über DAB+ Radio.

2. Europäische Kooperation: Der Standard entsteht

Das digitale Radio ist von Anfang an ein europäisches Projekt. Der eigentliche Durchbruch gelang mit dem Eureka‑147‑Projekt, das 1987 von einem internationalen Konsortium gestartet wurde. Hier arbeiteten Partner aus Deutschland, Großbritannien, Frankreich und weiteren Ländern gemeinsam an einem einheitlichen Standard für digitales Radio (damals noch DAB). Ziel war es, eine zukunftsfähige Alternative zum analogen UKW-Rundfunk zu entwickeln – mit besserer Klangqualität und effizienterer Frequenznutzung.

Das Ergebnis war ein standardisiertes System, das später von internationalen Organisationen wie der ITU und ETSI übernommen wurde und zum globalen Referenzstandard wurde. Darauf konnte man sich weltweit einigen. Die Internationalisierung zu diesem frühen Zeitpunkt war ein wichtiger Faktor für den Erfolg von DAB+. So konnten über Landesgrenzen hinweg technische Standards harmonisiert und die Interessen von Forschung auf der einen und Industrie auf der anderen Seite gebündelt werden.

3. Rundfunkorganisationen: Vom Labor ins Programm

Technologie allein reicht nicht – sie muss auch genutzt werden. Und im konkreten Fall heißt das – ohne Programme hört niemand zu. In Deutschland übernahmen vor allem Deutschlandradio und die ARD eine Schlüsselrolle bei der Einführung und Verbreitung von DAB+. Seit dem Neustart von DAB+ im Jahr 2011 waren diese öffentlich-rechtlichen Anbieter die wichtigsten Treiber des digitalen Antennenradios. Sie sorgen seitdem nicht nur für Inhalte, sondern engagieren sich aktiv beim Aufbau der Sendeinfrastruktur und der Markteinführung. So unterstützen sie natürlich auch die Vermittlung von Mehrwerten für Hörerinnen und Hörer.

Besonders Deutschlandradio gilt als Motor des Netzausbaus. Mit dem DAB+ only Programm Deutschlandfunk Nova (vormals DRadio Wissen) und unter den Intendanten Willi Steul (Mit-Initiator des Digitalradio Büros) und Stefan Raue (Vorsitzender des Digitalradio Deutschland e.V.) wurde Deutschlandradio zu einem öffentlich-rechtlichen Pionier in Sachen DAB+. Durch kontinuierliche Investitionen in neue Senderstandorte wurde die Reichweite stetig erhöht und die Versorgung insbesondere in ländlichen Regionen verbessert.

Inzwischen beteiligen sich Radioanbieter aus allen Bereichen am fortgesetzten Aus- und Aufbau des digitalen Radios – Landesrundfunkanstalten der ARD, große private Anbieter wie RTL, Regiocast, Energy oder Klassikradio und auch die nicht-kommerziellen Bürgerradios.

4. Medienpolitik: Die Rahmenbedingungen

Kein Mediensystem funktioniert ohne politische Steuerung. Die Einführung und Verbreitung von DAB+ wurde in Deutschland maßgeblich durch Politik und Regulierung sowohl des Bundes als auch auf Länderebene begleitet. Ein zentrales Beispiel ist die gesetzliche Vorgabe, dass neue Radiogeräte – insbesondere in Autos – mit DAB+ ausgestattet sein müssen. Diese sogenannte Digitalradiopflicht (gilt übrigens EU-weit) stärkt die Verbreitung und sorgt für steigende Nutzerzahlen. Darüber hinaus setzen politische Akteure strategische Impulse, koordinieren Interessen und fördern die Zusammenarbeit zwischen den beteiligten Institutionen. Auch Programme zur Unterstützung des Netzausbaus wie von der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien (BLM) und Kampagnen wie #SHhoertdigital in Schleswig-Holstein gehören in diesen Bereich.

Medienpolitik spielt im Rundfunk eine zentrale Rolle: Sie reguliert, setzt und überwacht Normen und gibt Impulse zur Förderung der Infrastruktur. Auf diese Weise trägt sie einen erheblichen Anteil an der Moderation zwischen Markt und Öffentlichkeit.

Viele Köche verfeinern den Brei: Zusammenspiel als Erfolgsfaktor

Das Besondere an DAB+ ist nicht nur die Technologie selbst, sondern das Zusammenspiel der Akteure:

Stakeholder Beitrag zum System
Forschung Technologische Innovation
Europäische Kooperation Standardisierung
Rundfunkanbieter Inhalte und Infrastruktur
Medienpolitik Regeln und Förderung

Erst im Zusammenspiel entsteht ein funktionierendes System: Die Forschung liefert die Grundlage, Europa sorgt für Kompatibilität, der Rundfunk bringt Inhalte in die Fläche – und die Politik schafft die notwendigen Rahmenbedingungen. Fazit: Ein System ohne Einzelhelden. DAB+ ist ein Paradebeispiel für ein kollektives Innovationsprojekt. Anders als bei vielen digitalen Technologien gibt es hier keine prominenten Einzelpersonen, die als „Erfinder“ gefeiert werden könnten. Stattdessen ist der Fortschritt das Ergebnis langfristiger Zusammenarbeit zwischen Institutionen, Disziplinen und Ländern.

Die häufigsten Fragen zu DAB+ klären wir in unseren FAQs. Schaut doch mal vorbei!


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