Der Fernsehturm hat Ohren, kein Ton geht ihm verloren. Das stimmmt. Aber – um beim Bild zu bleiben – der Fernsehturm hat auch eine Stimme. Oder mehrere. Denn er empfängt nicht nur, sondern sendet auch. Und genau darum geht es in diesem DAB+ Magazin Artikel: Die Stimme vom Gipfel – wie DAB+ in die Region kommt.
Der Äther braucht Platz und Panorama
Wer auf einen der markanten Sendetürme – häufig in den Mittelgebirgen oder auf den Anhöhen einer Region – blickt, sieht meist nur Stahl, Antennen und blinkende Warnlichter. Doch hinter den Zäunen und Technikräumen verbirgt sich eine Infrastruktur, die täglich Millionen Menschen mit Musik und Nachrichten versorgt. Ein Besuch an einem DAB+ Sendestandort zeigt, wie modernes digitales Radio seinen Weg in Wohnzimmer, Küchen und Autos findet.
Der Weg zum Sendeturm führt oft über schmale Straßen hinauf auf einen Berg oder eine weithin sichtbare Anhöhe. Der Grund dafür ist einfach: Je höher die Antenne steht, desto weiter kann sich das Sendesignal ausbreiten. Während UKW-Sender früher meist für einzelne Programme arbeiteten, werden bei DAB+ mehrere Radioprogramme gemeinsam über eine einzige Antenne ausgestrahlt.
Schon beim Betreten des Geländes wird deutlich, dass hier hochmoderne Technik arbeitet. Dicke Stromleitungen, Klimaanlagen und zahlreiche Schaltschränke sorgen dafür, dass die Sendetechnik rund um die Uhr funktioniert. Selbst bei Sturm, Schnee oder Stromausfällen soll von hier weiter gesendet werden.
Von der Redaktion zum Sendeturm
Während die Radiosendungen und Programminhalte selbst meist viele Kilometer entfernt in Funkhäusern oder Studios entstehen und von dort über spezielle Datenleitungen oder Richtfunkstrecken zu zentralen Verteilpunkten gelangen, ist der Sendeturm der Punkt, an dem die Signale zusammenlaufen und weiterverbreitet werden.
Beim Digital Audio Broadcasting (DAB+) werden die einzelnen Programme zu einem sogenannten „Multiplex“, einem Programmbündel oder einem Programmensemble, zusammengefasst. Anders als bei UKW, wo jede Frequenz nur ein Programm transportiert, können über diese DAB+ Programmplattformen zahlreiche Sender gleichzeitig verbreitet werden. Einmal am Sendestandort angekommen und „gebündelt“, wird dieses digitale Signal verstärkt und über die Antennenanlage ausgestrahlt. Die Signale breiten sich anschließend über weite Teile der Region aus und können dann von DAB+ Radios empfangen werden.
Technik hinter verschlossenen Türen
Im Inneren eines Sendeturms erinnert vieles eher an ein Rechenzentrum als an einen Radiosender. Reihen von Serverschränken beherbergen Sendeverstärker, Steuertechnik, Überwachungssysteme und nur wenig Platz für die Techniker. Über Monitore werden die aktuelle Leistung, mögliche Störungen und die Temperatur der Anlagen abgelesen.
Besonders wichtig ist die Ausfallsicherheit. Sollte eine Komponente ausfallen, übernimmt häufig sofort ein Ersatzsystem. Das gilt natürlich auch für die grundsätzliche Versorgung mit Strom. Viele Standorte verfügen dafür über Notstromaggregate oder Batteriesysteme. Schließlich sollen Verkehrsmeldungen, Nachrichten und wichtige Informationen auch dann verfügbar bleiben, wenn andere Kommunikationswege eingeschränkt sind.
Wie bei vielen anderen technischen Systemen gilt auch für das Radio: Wenn alles funktioniert, merken die meisten gar nicht, wie komplex die Maschinerie dahinter ist.
Warum DAB+ anders, pardon, besser ist
Für Hörer macht sich die Technik vor allem durch eine von UKW unbekannte Vielfalt bemerkbar. Durch die analoge Frequenzknappheit können nur ca. drei Dutzend Programme über Kurzwelle gesendet werden. Bei DAB+ ist es in manchen Fällen mehr als das Dreifache, also weit über 100 Sender, die zur Verfügung stehen. Dank DAB+ ist diese Vielfalt auch erstmals bundesweit erlebbar: Die digitale Sendetechnik ermöglichte es erstmals auch privaten Radioanbietern ihre Programme überregional, also im gesamten Bundesgebiet, zu verbreiten. Derzeit sind es fast 30 Sender, die so gut wie überall in Deutschland empfangbar sind.
Hier kommt ein weiterer Vorteil von DAB+ ins Spiel: das sogenannte Gleichwellennetz. Mehrere Senderstandorte können auf derselben Frequenz senden, ohne sich gegenseitig zu stören. Während Autofahrer bei UKW oft die Frequenz wechseln mussten, bleibt der Empfang bei DAB+ auf langen Strecken stabil auf einer einzigen Frequenz und damit deutlich komfortabler. Für Reisende oder Pendler ein echter Service.
Apropos Service: Neben den Radioprogrammen selber können via DAB+ Sendetechnik weitere Informationen übertragen werden. Album-Cover, Programminformationen, Nachrichtenmeldungen oder Wetterdaten erscheinen direkt auf dem Display moderner Empfänger mit Farbdisplay.
Last but not least: die Klangqualität. Statt eines langsam schlechter werdenden Empfangs wie bei UKW liefert DAB+ entweder ein klares Signal oder – bei sehr schwachem Empfang – gar keines. Das bekannte UKW-Rauschen und -Krisseln gehört damit weitgehend der Vergangenheit an.
Bedeutung für die Region
Für regionale und lokale Radiosender eröffnet DAB+ neue Möglichkeiten. Da mehrere Programme auf einer Plattform verbreitet werden können, sinken die technischen Hürden und finanziellen Belastungen für neue Angebote. Dadurch wächst die Programmvielfalt weiter.
Gerade in ländlichen Regionen spielt die Infrastruktur eine wichtige Rolle. Ein leistungsstarker Bergstandort kann zahlreiche Städte und Gemeinden gleichzeitig versorgen. Viele Menschen empfangen über DAB+ Radiosender, die über UKW früher nur schwer oder gar nicht erreichbar waren.
Zugleich wird DAB+ Digitalradio im Bereich des Bevölkerungsschutzes immer wichtiger. Behörden und Medienexperten sehen dank DAB+ im Rundfunk weiterhin einen unerlässlichen Informationskanal bei Großschadenslagen oder Naturkatastrophen. Radio funktioniert unabhängig von Mobilfunknetzen und benötigt vergleichsweise wenig technische Infrastruktur auf Seiten der Nutzer. Der Automatic Safety Alert (ASA) ist eine technische Innovation, mit der die Bedeutung von DAB+ für diesen Bereich weiter wächst.
Unsichtbare Technik mit großer Wirkung
Wer nach dem Besuch den Sendeturm wieder verlässt, blickt anders auf die scheinbar einfache Nutzung eines Radios. Hinter jeder Nachrichtensendung, jedem Musiktitel und jedem Verkehrshinweis steht ein komplexes Zusammenspiel aus Studios, Datenleitungen, Computern und Hochleistungssendern.
Die gewaltigen Anlagen auf den Bergen oder anderen exponierten Positionen gehören damit zu den meistgenutzten, aber gleichzeitig unsichtbarsten Bestandteilen unseres Alltags. Während Hörerinnen nur einen Knopfdruck benötigen, arbeiten die Sendestandorte Tag und Nacht daran, dass die digitale Radiowelt zuverlässig in der Region ankommt.
DAB+ zeigt dabei, dass Radio auch im Zeitalter von Streaming und Podcasts nichts von seiner Bedeutung verloren hat. Die Technik im Sendeturm sorgt dafür, dass das älteste elektronische Massenmedium weiterhin eine moderne Zukunft besitzt. Der Fernsehturm, der sendet, so dass es niemals endet.
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