DAB+ in Europa: Der Überblick

Immer mehr Länder in Europa setzen auf DAB+ und starten mit dem Roll-Out neuer digitaler Programme. Dort, wo DAB+ bereits etabliert ist, hat die Programmvielfalt in den letzten Monaten deutlich zugelegt. Für die Hörer bedeutet das: mehr Vielfalt und klarer, digitaler Empfang. In einigen Ländern ist der Anteil am digitalen Hören im Vergleich zum analogen Empfang bereits so hoch, dass sie den vollständigen Umstieg auf DAB+ planen. Norwegen hat das landesweite analoge Netz bereits abgeschaltet. In 29 europäischen Ländern gibt es bereits Hörfunkausstrahlungen über DAB oder DAB+. Hier ein Überblick über die Aktivitäten außerhalb Deutschlands:

Belgien
Nach dem Regelbetrieb in Flandern soll DAB+ jetzt auch im wallonischen Teil Belgiens eingeführt werden. Vorgesehen sind vier Multiplexe, die eine vollständige Abdeckung der Wallonie ermöglichen. Das Programmangebot wird 23 Radiostationen umfassen. Neben neun Kanälen für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk RTBF und elf für Privatradios, sind auch drei für den deutschsprachigen Belgischen Rundfunk (BRF) reserviert. Weitere zwölf lokale Multiplexe ermöglichen die Übertragung von bis zu 216 Programmen. Im Testbetrieb befinden sich bereits Programmangebote mit Privatradios in Lüttich und der Hauptstadt Brüssel. Noch vor Weihnachten sind in Belgien umfassende Marketingmaßnahmen mit dem neuen internationalen DAB+ Markendesign geplant, das zuerst im Mai 2017 in Deutschland vorgestellt wurde.

Die flämische Regierung hat beschlossen, UKW zwei Jahre nach dem Zeitpunkt abzuschalten, an dem 50 Prozent der Radiohörer digital empfangen. In Flandern gibt es einen Mux des öffentlich-rechtlichen Rundfunks VRT mit 12 Programmen und einen mit 13 Privatradios.

Dänemark
98 Prozent der Bevölkerung können DAB+ empfangen. In knapp 45 Prozent der dänischen Haushalte steht mindestens ein Digitalradio. Derzeit gibt es zwei landesweite Multiplexe, ein lokaler Multiplex befindet sich in der Testphase. Insgesamt sind 29 Programme verfügbar, elf davon ausschließlich digital. Die aktuelle Medienvereinbarung des dänischen Parlaments sieht vor, dass die UKW-Ausstrahlung beendet wird, sobald mindestens 50 Prozent des Radioempfangs digital erfolgen. Derzeit liegt die Quote bei 28 Prozent. Die Reichweite beträgt dabei 97 Prozent der Bevölkerung.

Frankreich
Nachdem DAB+ bereits in den Großräumen Paris, Marseille, Nizza und seit Juni auch in Lille on air ist, sollen bis 2019 weitere Regionen folgen. Für spätestens Anfang Dezember 2018 sind Programmaufschaltungen in Lyon und Straßburg geplant, so die Medienbehörde CSA. Bis Ende des kommenden Jahres könnten in 15 weiteren Städten, unter anderem Grenoble, Saint-Étienne, Toulon, Avignon, Tours, Orléans und Poitiers DAB+ aufgeschaltet werden. Ein Jahr später soll DAB+ in 15 weiteren Regionen wie Le Mans, Clermont-Ferrand, Limoges, Amiens, Metz, Nancy oder Reims eingeführt werden.

Neben den regionalen Netzabdeckungen hat die Medienbehörde CSA zwei nationale Multiplexe ausgeschrieben. Sie sollen die Ballungsräume und Autobahnen mit 26 Programmen abdecken. Frankreich hat inzwischen die offizielle Webseite dabplus.fr an die internationale Markenführung angepasst. In Bordeaux und Toulouse hat sich erstmals auch die NRJ Group als führendes privatradiounternehmen um DAB+-Lizenzen beworben.

Gibraltar
In dem britischen Überseegebiet betreibt das öffentlich-rechtliche Radio Gibraltar einen Multiplex mit drei Programmen. Seit Anfang Oktober 2018 ist mit „The Rock“ das erste Privatradio über DAB+ in diesem Multiplex zu hören.

Griechenland
In Griechenland sind erste Multiplexe im Testbetrieb gestartet. Ein Bouquet mit insgesamt 13 Programmen des Staatsrundfunks ERA ist in weiten Landesteilen zu hören. In Thessaloniki senden auch Privatradios über DAB+.

Großbritannien
In rund 57 Prozent der britischen Haushalte steht ein DAB+ Radio. Die Netzabdeckung erreicht rund 97 Prozent der Bevölkerung. Anfang 2018 nutzten mehr als 50 Prozent der Briten Radio über digitale Verbreitungswege: Anlass für die Regierung, demnächst über den Zeitpunkt eines UKW-Ausstiegs zu beraten.

Das britische Medienministerium hat zudem Konsultationen für den Regelbetrieb mit „Small Scale DAB+“, also kleineren Ensembles mit geringer Sendeleistung, begonnen. Großbritannien will damit den Start von rund 400 weiteren kommerziellen und nichtkommerziellen Lokalradios ermöglichen. Schon heute sind auf der Insel mehr als 500 Radiostationen über DAB und DAB+ zu hören. In keinem anderen Land gibt es ein so vielfältiges Digitalradio-Angebot. Immer mehr Veranstalter beteiligen sich an DAB und DAB+. Das renommierte Musikmagazin New Music Express (NME) hat im September eine DAB Radiostation in London gestartet.

Irland
Die Abdeckung erreicht derzeit 56 Prozent der Bevölkerung in den Ballungsgebieten, 17 Prozent besitzen ein DAB+ Radio. Neben einem nationalen Multiplex befinden sich zwei regionale Multiplexe in der Test-Phase. Aktuell gibt es 31 Radioprogramme, von denen 18 digital ausgesendet werden. Das Sendegebiet konzentriert sich auf die städtischen Großräume, der weitere Ausbau ist geplant.

Italien
DAB+ ist in Italien weit verbreitet. 75 Prozent der Bevölkerung können bereits DAB+ empfangen; in Südtirol herrscht Vollversorgung. Hier hat die öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalt Südtirol (RAS) damit begonnen, UKW-Sender aus Kostengründen zugunsten von DAB+ abzuschalten und plant gleichzeitig den weiteren digital-terrestrischen Netzausbau. Auch die Südtiroler Privatradios sind inzwischen fast flächendeckend über DAB+ zu hören, neben deutschen und weiteren internationalen Sendern.

Die RAI forciert den weiteren Ausbau, private Veranstalter sind beteiligt. Es gibt drei nationale und acht lokale Multiplexe, die insgesamt 143 Radioprogramme ausstrahlen, 27 ausschließlich digital. Wie bereits Österreich und Frankreich hat auch Italien die internationale Markenführung übernommen.

Kroatien
Weite Teile des Landes werden – derzeit noch im Testbetrieb – von einem nationalen Multiplex mit 16 kommerziellen Radioprogrammen versorgt.

Liechtenstein
Im kleinen Fürstentum werden drei Multiplexe aus der Deutsch-Schweiz verbreitet. Im regionalen Bouquet für die Ostschweiz sendet auch der öffentlich-rechtliche Liechtensteiner Rundfunk Radio L.

Luxemburg
In Luxemburg gibt es derzeit Testausstrahlungen über DAB+. Nach erfolgreicher Auswertung könnte es einen Multiplex im Großherzogtum geben.

Malta
Der Inselstaat ist ein Pionier im Aufbau eines DAB+-Sendernetzes. Die technische Reichweite von DAB+ beträgt 100 Prozent. Über die beiden nationalen Multiplexe werden 41 Radioprogramme im Simulcast-Betrieb gesendet.

Monaco
Im kleinen Fürstentum gibt es zwei Multiplexe mit insgesamt 16 privaten Radioprogrammen in französischer, italienischer und englischer Sprache.

Niederlande
In den Niederlanden erreichen sowohl die landesweiten Privatradios als auch die öffentlich-rechtliche NPO inzwischen eine Abdeckung von je 95 Prozent. Es gibt einen öffentlich-rechtlichen und einen privaten Multiplpex, dazu fünf gemischte regionale Bouquets sowie eine Ballungsraumbedeckung des Veranstalters MTVNL. Im kommenden Jahr plant die niederländische Regierung deshalb die Versteigerung weiterer Frequenzen. Landesweit könnten dann 9 bis 15 zusätzliche DAB+ Radiostationen Hörerinnen und Hörern noch mehr Auswahl bieten.

In den Niederlanden hören laut jüngsten Zahlen erstmals mehr als eine Millionen Menschen Radio über DAB+. Insgesamt wurden 1,08 Millionen DAB+ taugliche Radiogeräte verkauft, bei einer Einwohnerzahl von knapp über 17 Millionen.

Norwegen
Norwegen hat als erstes Land weltweit die nationalen und regionalen UKW-Ketten abgeschaltet. Dabei ist sind die Reichweiten der Radiosender weitgehend stabil geblieben: 98 Prozent der Hörer sind dem Radio treu geblieben, kauften sich DAB+ Empfänger oder hören jetzt Radio über IP, meldet WorldDAB. 99,5 Prozent der Bevölkerung können in Norwegen Digitalradio empfangen, 60 Prozent der Haushalte besitzen ein DAB+ Radio. Landesweit wird ein Multiplex angeboten. Dazu kommen sieben regionale und sieben lokale Multiplexe. In ganz Norwegen sind 108 Hörfunkprogramme empfangbar, 15 davon ausschließlich über DAB+. Alleine im letzten Jahr wurden rekordverdächtige zwei Millionen DAB+Geräte verkauft – bei einer Einwohnerzahl von 5,2 Millionen. Das sind dreimal so viele DAB+ Radios wie in den Jahren zuvor.

Österreich
In Österreich sind die Vorbereitungen auf den ersten nationalen Multiplex mit elf Programmen für das Frühjahr 2019 angelaufen. Im Großraum Wien werden heute schon 15 DAB+ Programme empfangen. Innerhalb der nächsten drei Jahre sollen zunächst die Landeshauptstädte und wichtige Verkehrswege versorgt werden, bei einer geplanten Gesamtabdeckung von rund 85 Prozent der österreichischen Bevölkerung. Österreich hat inzwischen die offizielle Webseite dabplus.at auf die internationale Markenführung umgestellt.

Polen
Das Digitalradio wird in Polen seit 2013 massiv ausgebaut. Bereits jetzt können 56 Prozent der Bevölkerung DAB+ empfangen. Für 2019 ist eine Versorgung von 95 Prozent angepeilt. 17 regionale Multiplexe von Polskie Radio senden insgesamt 29 Radioprogramme, sieben davon ausschließlich digital. Erste regionale Multiplexe für Privatradios gibt es in Warschau und Breslau, Danzig soll folgen. Der Plattformbetreiber BCAST hat hierfür eine entsprechende Genehmigung erhalten.

Rumänien
Fünf öffentlich-rechtliche Programme von Societatea Română de Radiodifuziune und ein privates Hörfunkprogramm (Bucuresti FM) sind über DAB+ in der Hauptstadt Bukarest zu hören. Das Bouquet befindet sich noch im Testbetrieb.

Schweden
Derzeit werden 35 Prozent der Bevölkerung mit DAB+ versorgt. Neben einem nationalen Multiplex von Sveriges Radio (SR) befinden sich zwei regionale Multiplexe in der Testphase.

15 neue private Programme soll es ab 1. Januar 2019 im Regelbetrieb geben. Die Nordic Entertainment Group (NENT) hat angekündigt ab 1.1.2019 ein nationales DAB+Paket mit 11 Programmen zu starten. Zu NENT gehören bekannte Radiomarken wie Rix FM, Star FM oder Bandit Rock. Auch die Unternehmen DB Media und Skärgårdsradio (Schären Radio) wollen ab am 1.1.2019 auf DAB+ aktiv werden. BD Radio besitzt eine nationale Lizenz für Dansbandsradio sowie eine lokale für den Oldiekanal Skåne in Stockholm. Skärgårdsradio darf mit zwei regionalen Programmen in Stockholm und Gotland starten. Bauer Media, NRJ und Norrköpings Radio wollen ein Jahr später offiziell über DAB+ starten. Im April 2019 soll die Hälfte der Bevölkerung mit DAB+ versorgt sein.

Schweiz
Die Schweizer hören Radio inzwischen zu 63 Prozent rein digital. Im Juni 2018 gab es rund 3.6 Millionen DAB+ Geräte in den Haushalten. Die Radiobranche plant, die analoge Radioverbreitung über UKW schrittweise ab 2021 aufzugeben. Um diesen Umstieg zu begleiten, hat die Medienbehörde Bakom eine Informationskampagne gestartet. Seit Pfingsten 2017 wirbt man crossmedial unter dem Motto „Radio zieht um.“ Durch einen weiteren überregionalen Multiplex wird sich die Programmvielfalt in der Deutschschweiz um bis zu 16 Hörfunkprogramme erhöhen. Heute sind in der Schweiz 136 Sender über DAB+ zu empfangen.

Slowakei
In der Slowakei befinden sich zwei Multiplexe von Towercom und AVIS im Testbetrieb. Aktuell werden 36,1 Prozent der Bevölkerung mit öffentlich-rechtlichen und privaten Hörfunkprogrammen über DAB+ versorgt.

Slowenien
In der früheren jugoslawischen Teilrepublik ist ein Multiplex mit 16 Privatradioprogrammen zu hören, 14 im Simulcast mit UKW und zwei ausschließlich digital. 73 Prozent der Haushalte und 89 Prozent der Autobahnen sind versorgt.

Spanien
In den Großräumen Madrid und Barcelona sind je zwei Multiplexe in Betrieb. Einer mit vier Programmen von Radio Nacional de España (RNE) sowie zwei Privatradios und ein weiterer mit sieben kommerziellen Programmen.

Tschechien
In Tschechien ist ein umfassender Netzausbau geplant: Bis Mitte 2019 will der öffentlich-rechtliche Rundfunk Český rozhlas (CR) 75 Prozent der Bevölkerung mit seinen Programmen über DAB+ versorgen. Neben Český rozhlas betreiben Teleko und RTI lokale, gemischte Multiplexe (öffentlich-rechtlich und privat) in elf Regionen. In der Hauptstadt Prag gibt es zudem einen weiteren Mux mit zehn Privatradios.

Türkei
In vier türkischen Regionen, unter anderem in den Großstädten Ankara und Istanbul, gibt es einen Multiplex des staatlichen Rundfunks TRT mit acht Programmen im Testbetrieb. Aktuell werden 25 Prozent der Bevölkerung erreicht.

Ukraine
In der ukrainischen Hauptstadt Kiew sind zwei staatliche und sieben Privatradios auf DAB+ zu hören, derzeit noch im Rahmen eines Testbetriebs.

Ungarn
In der Hauptstadt Budapest gibt es einen Multiplex mit drei öffentlich-rechtlichen und vier privaten Hörfunkprogrammen im Testbetrieb.

Vatikan
Für den Großraum Rom betreibt Radio Vatikan einen Multiplex mit vier Programmen in unterschiedlichen Sprachen.

Über DAB+: Digitalradio DAB+ ist der überall frei empfangbare Radiostandard von heute, der die analoge Frequenzknappheit beendet. DAB+ ist der Nachfolger von UKW und verbindet den klassischen Radioempfang ohne Internetkosten mit der Vielfalt digitaler Programmangebote. Viele bekannte Sender sind bereits mit klarem, digitalen Klang auf DAB+ verfügbar. Nicht nur alle öffentlich-rechtlichen Anbieter, sondern auch immer mehr private Radioveranstalter senden ihre Programme über DAB+. Dabei wächst die Zahl der individuellen Programmangebote, die nur auf DAB+ verfügbar sind, kontinuierlich. Je nach Geräteausstattung bieten neue DAB+ Radios für Zuhause oder das Auto wertvolle Zusatzdienste wie Farbdisplays mit Albumcover, Wetterkarten und Programmvorschauen.

Über uns: Das Digitalradio Büro Deutschland mit Sitz in Berlin ist eine Gemeinschaftsinitiative des Vereins Digitalradio Deutschland, also ARD, Deutschlandradio, privaten Radioveranstaltern, Geräteherstellern und Netzbetreibern, die sich zum Ziel gesetzt haben, Digitalradio DAB+ in Deutschland zu etablieren. Das Digitalradio Büro informiert die Öffentlichkeit über die Möglichkeiten und die Einführung von DAB+ in Deutschland. Der Zugang zum Digitalradio Deutschland e.V. steht allen Marktteilnehmern offen, die sich für DAB+ engagieren. Weitere Informationen zu DAB+ unter: dabplus.de

###

Kontakt Presse/Medien:
Carsten Zorger
Digitalradio Büro Deutschland
presse@dabplus.de

Die Meldung steht auch als PDF-Datei zur Verfügung. Klicken Sie hier.