DAB+ in der Schweiz: Radiobranche plant UKW-Ausstieg für 2022/2023

Radioprogramme werden in der Schweiz bereits zu 71 Prozent digital konsumiert. Und nur noch 13 Prozent der Schweizer Bevölkerung nutzen ausschliesslich das analoge UKW. Gestützt auf diese Entwicklung präsentierte die Arbeitsgruppe «Digitale Migration» am SwissRadioDay ihren Plan für den Ausstieg aus der UKW-Verbreitung: So will die SRG ihre UKW-Sender im August 2022 ausser Betrieb nehmen, die privaten Radios spätestens im Januar 2023.

Die positiven Signale aus dem Markt und die Entwicklung der Nutzungszahlen bestärken die Arbeitsgruppe «Digitale Migration» (AG DigiMig) darin, die UKW-Abschaltung voranzutreiben. Dazu besteht nun ein Plan, den die Radioverbände und die SRG gemeinsam ausgearbeitet haben. So ist vorgesehen, dass die SRG ihre UKW-Sender im August 2022 ausser Betrieb nimmt, um den kommerziellen Veranstaltern dem Umstieg zu erleichtern. Im Januar 2023 sollen dann die privaten Radiostationen ihre UKW-Sender vom Netz nehmen. Der Verband Schweizer Privatradios (VSP), die Union Romande des Radios Régionales (RRR), die Union nicht-gewinnorientierter Lokalradios (Unikom) und die SRG haben vor wenigen Tagen eine entsprechende Branchenvereinbarung unterzeichnet. Die Privatradioverbände werden nun bis Ende November 2020 die Zustimmung ihrer Mitglieder einholen. Falls diese ebenfalls zustimmen, wird die Umsetzung der UKW-Abschaltung an die Hand genommen und umgesetzt.

71 Prozent hören digital
Radiohörerinnen und -hörer empfingen im Frühling 2020 von 100 Radiominuten pro Tag durchschnittlich 71 Minuten auf digitalem Weg (DAB+: 39%, IP: 32%). Die digitale Radionutzung ist somit seit Herbst 2015 um 22 Prozentpunkte gestiegen. Gleichzeitig ist die UKW-Nutzung um 22 Prozentpunkte auf 29 Prozent gesunken. DAB+ hat UKW also überholt und ist mit 39 Prozent der Gesamtnutzung nun der beliebteste Empfangsweg für Radioprogramme.

Auch im Auto ist DAB+ nun beliebtester Empfangsweg
Nicht nur zuhause und bei der Arbeit ist DAB+ der beliebteste Empfangsweg für Radioprogramme. Auch im Auto, der letzten UKW-Bastion, hat DAB+ an Bedeutung gewonnen und UKW als wichtigsten Radio-Empfangsweg abgelöst. Die Radionutzung über DAB+ und IP-Radio machen zusammen inzwischen 55 Prozent der Gesamtnutzung im Auto aus.

Digital-Empfang hat sich in allen Sprachregionen etabliert
In der Deutschschweiz ist DAB+ mit einem Anteil von 41 Prozent an der Gesamtnutzung mit Abstand der beliebteste Empfangsweg für Radioprogramme. In der Romandie hat DAB+ IP-Radio knapp überholt und macht 36 Prozent der Nutzung aus. In der italienischen Schweiz hat die IP-Radio-Nutzung nochmals zugelegt, UKW hinter sich gelassen und ist dort mit 39 Prozent neu der beliebteste Empfangsweg. UKW-Radio macht mittlerweile in jeder Sprachregion noch weniger als 30 Prozent aus.

Nur noch 13 Prozent der Schweizer Bevölkerung hören ausschliesslich analoges Radio
Während vor viereinhalb Jahren noch fast ein Viertel der Bevölkerung angaben, Radio ausschliesslich über analoge Empfangswege zu nutzen, ist dieser Anteil seither um knapp die Hälfte geschrumpft und beträgt aktuell noch 13 Prozent. Gleichzeitig hat sich der Anteil derjenigen, die ausschliesslich digitale Empfangswege nutzen, seit Herbst 2015 von 18 auf 36 Prozent verdoppelt.Seit Herbst 2015 ermittelt GfK Switzerland im Auftrag der Arbeitsgruppe Digitale Migration mit einer Online-Befragung und telefonischen Interviews halbjährlich den Stand der digitalen Radionutzung in der Schweiz: Die Radionutzung wurde im Frühling 2020 zum elften Mal erhoben; es wurden dazu 2’625 Personen ab 15 Jahren befragt.

Arbeitsgruppe «Digitale Migration» (DigiMig)
Im Frühjahr 2013 bildete die Radiobranche zusammen mit dem Bundesamt für Kommunikation (BAKOM) die Arbeitsgruppe «Digitale Migration» (AG DigiMig) mit dem Ziel, die analoge UKW-Verbreitung spätestens 2024 einzustellen. In der Arbeitsgruppe vertreten sind der Verband Schweizer Privatradios (VSP), die Union Romande des Radios Régionales (RRR), die Union nicht-gewinnorientierter Lokalradios (Unikom), sowie die SRG SSR und die DAB+ Netzbetreiber. Ende 2014 legte die AG DigiMig dem Bundesrat ein Szenario für den Umstieg von analog auf digital vor. Bereits heute verbreiten die SRG und alle Privatradios ihre Radioprogramme parallel zu UKW auch über DAB+; mehr als die Hälfte der rund 125 DAB+-Radioprogramme sind sogar ausschliesslich digital empfangbar.

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Quelle: BAKOM & AG DigiMig